Vor einiger Zeit kaufte ich mir eine elektronische Zahnbürste. Ein sehr ausgefeiltes Produkt mit kontaktloser Lademöglichkeit und App zur Zahnpflege. Eine optimale tägliche Begleiterin, die sich leider zu schnell wieder aus meinem Leben verabschiedete, denn eines Tages gab sie leider ihren Geist auf. Nach einigen Kontaktaufnahmen mit dem Hersteller und selbstständigen Reparaturversuchen musste ich mir aber leider bewusst machen, dass das Produktleben meiner Zahnbürste kaum verlängert werden konnte. Damit reiht sie sich in die lange Reihe von Produkten ein, welche als Teil unsers heutigen linearen Wirtschaftssystems produziert, verkauft, genutzt und dann viel zu schnell weggeworfen werden müssen.

Unterschied lineares Wirtschaftssystem und Kreislaufwirtschaft

So linear sehen heute noch die meisten Produktleben aus. Doch dieses lineare Wirtschaftssystem und die damit einhergehende Wegwerfgesellschaft weisen einige Tücken auf: Sie führen zu Rohstoffverknappungen, hohem Emissionsverbrauch und grossen Abfallmengen. Gerade bei Elektrogeräten sind die Umweltbelastungen gross, da seltene Metalle genutzt werden müssen und der Herstellungsprozess viel Energie verbraucht und Luftverschmutzung verursacht.

Mehr über die hohe Umweltbelastung durch die geringe Nutzungsdauer von Elektrogeräten findet ihr in diesem Blogbeitrag.

Lineares Wirtschaftssystem

Im Unterschied zum linearen Wirtschaftssystem werden in der Kreislaufwirtschaft (oder auch zirkulären Wirtschaft), Produkte und Materialien im Umlauf gehalten. Dadurch werden weniger Primärrohstoffe verbraucht, da Produkte länger genutzt oder Rohstoffe aus dem Recycling verwendet werden können. Eine längere Nutzung kann durch Reparaturen oder Ersatzteile sichergestellt werden. Wird ein Produkt selber nicht mehr genutzt, kann es verkauft oder kostenlos weitergegeben werden. Und falls es doch ausgedient hat und gar nicht mehr reparierbar ist, kann das Produkt recycelt werden, damit Rohstoffe für neue Produkte wiederverwertet werden können.

Mit diesem ganzheitlichen Ansatz unterscheidet sich die Kreislaufwirtschaft, auf Englisch «Circular Economy», von unserem aktuellen linearen Prozess.

Zirkuläres Wirtschaftssystem bei Produkten

Ansätze in der Kreislaufwirtschaft

Die Zirkularität kann bei Produkten jederzeit gefördert werden, von der Produktidee bis zur Nutzung. Eine zentrale Rolle übernimmt dabei das Produktdesign, bei der Entscheidungen über Materialien und Langlebigkeit der Produkte getroffen werden. Ausserdem kann das Design so gestaltet werden, dass Elektrogeräte mehr oder weniger einfach reparierbar oder einzelne Teile davon austauschbar sind.

Neben der Produktgestaltung kann die Kreislaufwirtschaft vor allem auch durch das eigene Nutzungsverhalten vorangetrieben werden. Indem Produkte mehr repariert, weiterverkauft, neu aufbereitet oder auch geteilt werden. Wichtig dabei: Kreislaufwirtschaft in die eigenen Gewohnheiten miteinbeziehen trägt nicht nur zu einem umweltfreundlicheren Umgang mit Produkten bei, sondern lohnt sich auch monetär. Denn: Secondhand ist günstiger als Neukaufen, durch Reparaturen kann das eigene Produkt länger genutzt werden und eigene Produkte weiterverkaufen oder auszuleihen kann sogar einen Zusatzverdienst bringen, also Win-Win-Win.

Damit Produkte und Materialien in diesem Kreislauf verbleiben, müssen wir alle mitmachen. Neben einem kreislauffähigen Produktdesign und den Handlungen von uns Privatpersonen braucht es auch Angebote, welche die entsprechenden Dienstleistungen anbieten. Damit Elektrogeräte in Zukunft länger leben als meine Elektrozahnbürste.

Natürlich habe ich aber die Hoffnung noch nicht ganz aufgegeben, sondern bringe die Elektrozahnbürste zu eine*r Reparaturdienstleister*in?.

 

Wie du die Kreislaufwirtschaft (nicht nur bei Elektrogeräten) fördern kannst:

Teilen: Bibliothek, Carsharing, Werkzeuge ausleihen oder Sportausrüstung mieten zum Beispiel bei Sharely.

Wiederverwenden: Kleider Second Hand kaufen, Tauschbörsen, Brockenstuben, Onlineplattformen oder Spenden an bspw. Labdoo.

Reparieren: Kleiderstücke nähen oder defekte Geräte wieder reparieren. Bspw. Share & Repair in Zürich hilft dir dabei.

Wiederaufbereiten: veraltete Produkte wieder aufbereiten wie z.B. Tisch abschleifen, Kissen neu polstern etc.

Alle After Sales Dienstleistungen an einem Ort: Mit unserer App kannst du für deine Produkte Dienstleistungen beziehen, welche die Nutzungsdauer verlängern.

 

Quellen:

BAFU (2020). Kreislaufwirtschaft. https://www.bafu.admin.ch/bafu/de/home/themen/wirtschaft-konsum/fachinformationen/kreislaufwirtschaft.html

Circular Hub (o.D.) Kreislaufwirtschaft. https://circularhub.ch/kreislaufwirtschaft/

Ellen MacArthur Foundation (o.D.) What is a circular economy? https://www.ellenmacarthurfoundation.org/circular-economy/concept

Energieschweiz (2021). Energiejournal für Hausbesitzerinnen und Hausbesitzer.