Nach dem Kauf eines Produktes entstehen für Konsument*innen einige Herausforderungen im Alltag. So auch für Lea, für die es sehr einfach ist, neue Produkte zu kaufen, jedoch frustrierend sich nach dem Kauf um diese zu kümmern. Hier können Händler auch nach dem Kauf eine entscheidende Rolle spielen. Retailer können neue Angebote prüfen und es Kund*innen erleichtern, Gegenstände zu verkaufen, zu spenden oder zu reparieren. Solche Angebote stehen ganz im Zeichen der Circular Economy und bieten Retail-Unternehmen und Kund*innen wie Lea eine grosse Chance.

Kreislaufwirtschaftliche Initiativen arbeiten dabei nach drei Grundsätzen: Vermeidung von Abfällen und Umweltverschmutzung, Verbleib von Produkten und Materialien in der Nutzungsphase und die Regeneration natürlicher Systeme.

Mehr über die Kreislaufwirtschaft findest du in diesem Blogbeitrag. 

Die Beziehung zwischen Handel und Kund*in muss nach dem Kauf nicht fertig sein

Nachdem Lea ein Produkt, zum Beispiel eine Spielkonsole, bei einem Händler gekauft hat, geht der Kontakt oft verloren und flammt nur bei einem Garantiefall wieder auf. Das muss jedoch nicht sein. Mithilfe der Kreislaufwirtschaft können Angebote geschaffen werden, welche den gesamten After-Sales attraktiver machen. Unter After-Sales wird das Angebot von Dienstleistungen verstanden, welche nach dem Kauf entstehen. Das sind beispielsweise Reparaturen, Weiterverkaufsangebote oder Angebote zur Produktspende.

Möglichkeiten der Kreislaufwirtschaft im Fachhandel

Während der Nutzungsphase eines Produktes

Ein zirkuläres Angebot beginnt nicht erst, wenn Produkte nicht mehr benötigt und recycelt werden sollen. Der Ansatz der Kreislaufwirtschaft wird bereits in dem Moment interessant, sobald eine Kundin wie Lea ein neues Produkt kaufen möchte. So können Retail-Unternehmen ihre Produkte nicht nur verkaufen, sondern sie auch zur Miete anbieten. Bereits heute gibt es mit Unternehmen wie Sharely, Spotify, Uber und Airbnb verschiedene Angebote, die auf Zugang und nicht auf Eigentum basieren.

Doch Händler können ihren Kund*innen auch nach dem Kauf eines Produktes Angebote offerieren, die im Sinne der Kreislaufwirtschaft sind. Bereits heute hat Lea beim Kauf einer neuen Spielkonsole eine breite Auswahl an Angeboten von unterschiedlichen Händlern. Nach etwas Recherchearbeit hat sie sich für einen Fachhändler entschieden und die Spielkonsole gekauft. Danach scheint die Beziehung zwischen Kundin und Händler beendet zu sein. Möchte Lea ihren Wasserkocher nach einigen Jahren wieder reparieren, muss sie sich selbst auf die Suche nach einem Reparaturangebot machen. Hier besteht die Möglichkeit für den Händler seiner Kundin Lea eine einfache Lösung zu bieten, die Reparatur für ihren Wasserkocher abzuwickeln. Geht der Handel auf die Bedürfnisse ihrer Kund*innen auch nach dem Kauf eines Produktes ein, erschliessen sich auch für sie Mehrwerte. Eine langfristige Kundenbeziehung kann aufgebaut werden und der Customer Lifetime Value (der Wert einer Kund*in für den Handel) langfristig gesteigert werden.

Nach der Nutzungsphase eines Produktes

Möchte Lea ihre Spielkonsole nicht mehr nutzen, muss diese noch lange nicht entsorgt werden. Fachhändler können es Kund*innen leichter machen, ihren Produkten ein längeres Leben zu schenken, in dem sie ihnen einen einfachen Zugang zu Re-Commerce-Plattformen (Plattformen, auf denen Produkte weiterverkauft werden) anbieten. Studien zeigen, dass viele Konsumierende grosses Interesse daran haben, funktionierende Produkte weiterzuverkaufen, solange der Aufwand dafür bescheiden ist.

Ein Produkt wie eine Spielkonsole kann nicht nur durch den Verkauf weitergegeben werden, sondern auch durch Spenden. Umfragen des Retail Customer Reports zeigen die grosse Bereitschaft von Konsumierenden, ihre Produkte zu spenden. Die Hauptmotivation dafür  ist die Abfallvermeidung und die Möglichkeit das eigene Zuhause zu entrümpeln. Ein komfortables Angebot, um die eigenen Produkte zu spenden seitens eines Händlers, erhöht die Möglichkeit, dass Produkte dadurch weiter genutzt werden können.

Lea besitzt auch einige Produkte, die ihr Lebensende erreicht haben und dem Recycling zugeführt werden müssen. Doch wie bei vielen anderen Menschen besteht auch bei Lea die Unsicherheit, wo sie insbesondere ihre Elektrogeräte abgeben kann. Auch die dafür notwendige Zeit stellt eine Hürde bei der Entsorgung dar.. Auch hier haben Händler die Möglichkeit, ihren Kund*innen die Arbeit zu vereinfachen, indem sie Informationen zum Recycling anbieten oder gleich eigene Entsorgungsdienstleistungen zur Verfügung stellen.

Alle diese Ansätze zeigen, wie die Kreislaufwirtschaft die Beziehung zwischen Kund*innen wie Lea und dem Handel nachhaltig verändern kann und Vorteile für alle bietet. Für Lea eine vereinfachte Verwaltung ihrer Produkte und einfachen Zugang zu wichtigen Dienstleistungen, welche im Moment noch umständlich zu beziehen sind. Für Händler bieten die Ansätze der Kreislaufwirtschaft zufriedene Kund*innen und langfristige Beziehungen, welche nicht bereits nach dem Kauf eines Produktes enden. Händler erhalten ein besseres Verständnis für die Bedürfnisse ihrer Kund*innen und können diese in die Sortimentsgestaltung und den Verkauf einfliessen lassen.

Eine Win-Win-Win Situation für Lea, den Handel und die Umwelt.

 

Quellen

Ellen MacArthur Foundation (2018). Keeping Customer Connections. https://circulareconomy.europa.eu/platform/en/knowledge/keeping-customer-connections

Bundesamtes für Umwelt (2020). Massnahmen zur Förderung der Kreislaufwirtschaft. https://rytec.ch/massnahmen-zur-foerderung-der-kreislaufwirtschaft/

Bain & Company (2005). Closing the delivery gap. https://www.bain.com/contentassets/41326e0918834cd1a0102fdd0810535d/bb_closing_delivery_gap.pdf

SENS eRecycling (2021). Haltung der Schweizer Bevölkerung zum Thema Rückgabe und Recycling von elektrischen und elektronischen Geräten